"Wer gewinnen will, muss etwas riskieren"
Torgauer Zeitung vom 6. August 2009
von unserem Redakteur Sebastian Stöber
Torgau (TZ). Ein bisschen, so gibt der für die FDP in den Landtagswahlkampf ziehende Bernd Biedermann unumwunden zu, trage sein zwei Jahre älterer Bruder Lutz mit „Schuld“ daran, dass es ihn schon in früher Jugendzeit interessierte, was regional und international in Sachen Politik so abging. Diskussionen in der Schule waren da keine Ausnahme. Um spezielle Inhalte, die kritische Auseinandersetzung mit politischen Erscheinungen, Auswirkungen ging es dann aber erst während des Grundwehrdienstes in der damaligen NVA. Hier wuchs die Unzufriedenheit mit den politischen Umfeldbedingungen. Im-mer auch im engen Zusammenhang mit dem persönlichen Erkenntnisgewinn, mit der wachsenden menschlichen Reife zu sehen. Das Elternhaus habe dabei bis zum heutigen Tage ebenso eine wichtige Rolle gespielt.
Sein politischer Werdegang begann mit dem Eintritt in die NDPD (National Demokratische Partei Deutschlands) im Jahre 1983. Wie auch in den anderen sogenannten Blockparteien war in Sachen aktiver Einflussnahme auf grundlegende politische Prozesse allerdings in jenen Jahren nicht viel möglich. So konzentrierte man sich auf einige kommunale Probleme, Anliegen, versuchte Nischen zu besetzen. Im Mai 1989 zog er in den Kreistag ein. Die darauffolgenden Monate waren bekanntlich die letzten der DDR. Den stürmischen Wendeherbst nahm Bernd Biedermann zum Anlass, die NDPD zu verlassen. Und als sich die DSU mit Blick auf die ersten freien Wahlen in der DDR gründete, war sein Eintritt wenig später beschlossene Sache. „Hier war eine völlig neue konservative Kraft, frei von jeglichen Altlasten entstanden. In ihr sah ich meine politische Heimat und endlich die reale Chance, etwas mit zu bewegen, zu gestalten“, erinnerte sich Biedermann.
Allerdings sorgte das ultrakonservative Image, das der Partei in den folgenden Jahren immer wieder zugeordnet wurde, dafür, dass man zu wenig Einfluss auf die entscheidenden politischen und wirtschaftlichen Prozesse nehmen konnte. Auch mit dem Blick auf die Landespolitik gab es diese Ohnmacht, wie sie Biedermann beschrieb. Da er sich mit dieser Rolle auf Dauer nicht zufrieden geben wollte, fiel im Oktober 2008 die Entscheidung, von der DSU in die FDP zu wechseln. Das liberale Gedankengut, das Werte wie Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung in den Vordergrund stellt, habe diese Entscheidung letztlich gefördert. Wenn er nun in den Landtagswahlkampf ziehe, dann vor allem deshalb, weil man in Dresden jemanden brauche, der sich mit Leidenschaft und Engagement für die Region einsetzt, auch wenn er dabei aneckt. Seine Stärke sehe er in seinem Fingerspitzengefühl für die Balance zwischen Schmusekurs und Attacke. Jeder harten Attacke folge ein sachlicher Konsenz.
„Ich habe es satt, immer wieder nur über mangelnde Verkehrsanbindungen der Region zu diskutieren. In fünf Jahren darf das kein Thema mehr für uns sein“, nennt er ein wichtiges Ziel, eine Vision, welche er in Dresden mit umsetzen wolle. Ein großes Ziel sei für ihn aber auch, dass die Menschen hier bald wieder mehr Geld in der Tasche haben, dass man wieder auf steigenden Wohlstand in der Region blicken kann. Ein sicher langfristiger Prozess, der aber schnellstens auf den Weg gebracht werden müsse, um den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum zu stoppen.
Was den Wahlkampf angeht, so setzt er bewusst auf Attacke. „Wer gewinnen will, muss auch etwas riskieren“, begründet er die nicht unumstrittene Plakatwerbung in Anspielung auf seinen, wie er bestätigt, härtesten Kontrahenten im Kampf um das Direktmandat, den Amtsinhaber Frank Kupfer. Er hofft, dass er am Wahltag um die 30 Prozent der Stimmen einfährt. „Das könnte für das Direktmandat reichen“, steckt er sein Ziel für den Wahltag ab. Als Kämpfer stelle er sich ohne Wenn und Aber dieser Aufgabe, auch wenn noch ein Weg über die Liste möglich wäre.